Die Steirische Harmonika

 

 

Während wir mit „der Kärntner“ einen Landsmann unseres südlichen Bundeslandes verstehen, ist mit „die Steirische“ niemals die weibliche Bewohnerin aus der Steiermark gemeint. Nein! Gemeint ist ein Musikinstrument und dies ist doch verwunderlich. Sie ist nämlich nicht einmal hierorts erfunden, dafür aber längst an Kindes statt angenommen: Die Nationaldruckknopfmelodiemaschine der Steirer.

 

Während sich eine bayrische Brotzeit von einer steirischen Brettljause nicht wesentlich abhebt, ist die Steirische Harmonika unverwechselbar im Aussehen und in der Klangfarbe und hat mit den anderen Tasten-Akkordeons nur wenig Ähnlichkeit. Sie hat nämlich den typisch-schwebenden Ton, der durch die absichtlich - uneinheitliche Stimmung der Tonzungen entsteht und gibt auch für das Auge eindeutige Signale ab: Die Metallbeschläge, die Einlegearbeiten und die bunte Alpenblumen-Tapete am Blasebalg verleihen ihr im Zeitalter des Wettlaufes der Modetrends etwas Exotisches.

 

Halt! Gerade das ist sie aber nicht. Die Steirer haben ihr Nationalinstrument nicht der historischen Versenkung preisgegeben und es ist auch nicht das Instrument für Auserlesene sondern für Alle geworden, weil sie sich für das ländlich-behäbige, das melodiös-gemütsvolle, alsauch für das virtuose und experimentelle Spiel eignet. Die Ehe zwischen Tradition und Innovation sorgt zwar für Spannung, hat dafür aber die museale Entsorgung hintanhalten.

 

Was die „Steirische“ besonders auszeichnet: Sie ist Musikinstrument und Einrichtungsgegenstand zugleich. Da ein Gläserkastl, dort ein Nachtkastl und daneben eben ein Musikkastl, das bald einmal in die Hand genommen wird, um die Köstlichkeit des Augenblicks zu untermalen und dann und wann auch dessen genussvolle Verlängerung zu versuchen.

 

Die wahren Musikliebhaber schätzen diese Unmittelbarkeit. Es geht dann nicht nur um die geliebten steirischen Harmonikaklänge, sondern um die Kunst, das Leben selbst zum Klingen zu bringen.